Was ist Cognitive Design?
Cogntive Design (dt. Wissensdesign) begreift die Generierung und den Austausch von Wissen als Gestaltungsaufgabe. Zentral ist dabei die Entwicklung von Formaten, verstanden als die Verbindung von Inhalt und Form in den Dimensionen gesellschaftlicher Konvention, technischer Realisierung und anschaulicher Gestaltung.
Damit schließt Cognitive Design als synthetiierendes Kompetenzfeld an die analytischen Arbeiten der kulturtechnischen Forschung an. Hier findet das „Wissen im Entwurf/Knowledge in the making” zunehmend Interesse. Dabei wird die Exteriorität des Denkens in ihrer dynamischen Entwicklung beobachtet und die Bezüge von Denken und Machen sowie die Rolle der beteiligten Artefakte werden neu bewertet. Diese Entwicklung trifft auf die Aufgaben der Strukturierung von Wissensarbeit in Organisationen, die zunehmend als Designaufgabe gesehen wird.
DesignThinking
Dabei bewährt sich ein entwerfendes Denken, das gegenwärtig als „DesignThinking” Konjunktur hat. Damit gibt es zwei gute Gründe, die Erkenntnis bildenden Funktionen der Gestaltung neu zu bedenken: Einerseits gilt es, das Wissen im Design genauer zu bestimmen, damit die Selbstverständigung der Disziplin zu verbessern und an kulturtechnische Forschungen anzuschließen. Andererseits sind die Funktionen des Designs für die Wissensprozesse Dritter herauszuarbeiten, um den anspruchsvollen Aufgaben künftiger Wissensgestaltung gerecht zu werden.
Beide Aufgabenfelder erkennen zunehmend eine Vielfalt von Denk- und Arbeitsstilen, Entwurfs- und Erkenntnisweisen, Wissens- und Darstellungstypen an (cognitive diversity). Das Design kann diesen Ausgangspunkt nutzen, um sich neu zu positionieren in der Gestaltung von Handlungs- und Vorstellungsräumen der Wissensarbeit (enabling spaces). Es ist die integrierte Gestaltung von Wissen, Medien und Raum als cognitive design, die profunde Innovation (radical innovation) ermöglicht. Der unter dem Eindruck der aufkommenden digitalen Medien schon früh formulierte Begriff des „Wissensdesigns“ (Bolz 1993) erfährt so eine Aktualisierung und Präzisierung.
Die kognitive Behausung – Design, Computers and Cognition
Zu den Methoden des Wissensdesigns gehört das gestaltungsspezifische Modelldenken, das an Kybernetik, Systemtheorie und Kognitionswissenschaften anschließt.
Gegenstand einer so verstandenen Gestaltung ist die kognitive Behausung, die soziale Prozesse, mediale Repräsentationen, technische Systeme und physische Räume umfasst.
Damit wird an die internationale Diskussion zum Thema Design, Computers and Cognition (Winograd, Mitchell, Gero) angeschlossen. Die deutsche Variante des Wissensdesigns gewinnt aber eine besondere Stärke durch ihre Verbindung mit den hiesigen Medienwissenschaften, speziell in ihrer Ausprägung als Kulturtechnik (Siegert).
Matters of concern
Ein weiteres Forschungsthema ist die „Frage nach dem Ding“ (Heidegger), besonders in der Ausprägung als Akteur Netzwerk Theorie (Latour). Diese geht von Handlungsketten hybrider Aktanten aus und stellt Fragen nach einer „Dingpolitik“. Designer als Spezialisten für Dinge und Interaktionen haben an diesen Diskursen bisher wenig teilgenommen, können aber einen substanziellen Beitrag leisten zur künftigen Gestaltung von „matters of concern“ (Latour).
Verwandte Forschungsgebiete
– “Knowledge in the Making. Drawing and Writing as Research Techniques” am Max Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin
– “Werkzeuge des Entwerfens” am Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienwissenschaften Weimar
weitere Informationen
– Peter Friedrich Stephan 2005: Cognitive Design – Eine Perspektive der Designforschung, pdf



