Cognitive Design

21. Januar 2013 — Leave a comment

Was ist Cognitive Design?

Cogntive Design (dt. Wissensdesign) begreift die Generierung und den Austausch von Wissen als Gestaltungsaufgabe. Zentral ist dabei die Entwicklung von Formaten, verstanden als die Verbindung von Inhalt und Form in den Dimensionen gesellschaftlicher Konvention, technischer Realisierung und anschaulicher Gestaltung.

Damit schließt Cognitive Design als synthetiierendes Kompetenzfeld an die analytischen Arbeiten der kulturtechnischen Forschung an. Hier findet das „Wissen im Entwurf/Knowledge in the making” zunehmend Interesse. Dabei wird die Exteriorität des Denkens in ihrer dynamischen Entwicklung beobachtet und die Bezüge von Denken und Machen sowie die Rolle der beteiligten Artefakte werden neu bewertet. Diese Entwicklung trifft auf die Aufgaben der Strukturierung von Wissensarbeit in Organisationen, die zunehmend als Designaufgabe gesehen wird.

DesignThinking
Dabei bewährt sich ein entwerfendes Denken, das gegenwärtig als „DesignThinking” Konjunktur hat. Damit gibt es zwei gute Gründe, die Erkenntnis bildenden Funktionen der Gestaltung neu zu bedenken: Einerseits gilt es, das Wissen im Design genauer zu bestimmen, damit die Selbstverständigung der Disziplin zu verbessern und an kulturtechnische Forschungen anzuschließen. Andererseits sind die Funktionen des Designs für die Wissensprozesse Dritter herauszuarbeiten, um den anspruchsvollen Aufgaben künftiger Wissensgestaltung gerecht zu werden.

Beide Aufgabenfelder erkennen zunehmend eine Vielfalt von Denk- und Arbeitsstilen, Entwurfs- und Erkenntnisweisen, Wissens- und Darstellungstypen an (cognitive diversity). Das Design kann diesen Ausgangspunkt nutzen, um sich neu zu positionieren in der Gestaltung von Handlungs- und Vorstellungsräumen der Wissensarbeit (enabling spaces). Es ist die integrierte Gestaltung von Wissen, Medien und Raum als cognitive design, die profunde Innovation (radical innovation) ermöglicht. Der unter dem Eindruck der aufkommenden digitalen Medien schon früh formulierte Begriff des „Wissensdesigns“ (Bolz 1993) erfährt so eine Aktualisierung und Präzisierung.

Die kognitive Behausung – Design, Computers and Cognition
Zu den Methoden des Wissensdesigns gehört das gestaltungsspezifische Modelldenken, das an Kybernetik, Systemtheorie und Kognitionswissenschaften anschließt.
Gegenstand einer so verstandenen Gestaltung ist die kognitive Behausung, die soziale Prozesse, mediale Repräsentationen, technische Systeme und physische Räume umfasst.
Damit wird an die internationale Diskussion zum Thema Design, Computers and Cognition (Winograd, Mitchell, Gero) angeschlossen. Die deutsche Variante des Wissensdesigns gewinnt aber eine besondere Stärke durch ihre Verbindung mit den hiesigen Medienwissenschaften, speziell in ihrer Ausprägung als Kulturtechnik (Siegert).

Matters of concern
Ein weiteres Forschungsthema ist die „Frage nach dem Ding“ (Heidegger), besonders in der Ausprägung als Akteur Netzwerk Theorie (Latour). Diese geht von Handlungsketten hybrider Aktanten aus und stellt Fragen nach einer „Dingpolitik“. Designer als Spezialisten für Dinge und Interaktionen haben an diesen Diskursen bisher wenig teilgenommen, können aber einen substanziellen Beitrag leisten zur künftigen Gestaltung von „matters of concern“ (Latour).

Verwandte Forschungsgebiete
– “Knowledge in the Making. Drawing and Writing as Research Techniques” am Max Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin
“Werkzeuge des Entwerfens” am Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienwissenschaften Weimar

weitere Informationen
– Peter Friedrich Stephan 2005: Cognitive Design – Eine Perspektive der Designforschung, pdf

Am 24.01.13 sendete der MDR einen Schwerpunkt zum Thema Retrotrends in den Medien.
Anlass ist die Konjunktur von Vinyl, Super8, Dias und deren Simulationen bei Instagram etc.

Dazu gibt es  Interviews von
– Norbert Bolz zum Thema “Der Kult des Authentischen? – Über das Wesen der Technik-Nostalgie”
– und mir zum Thema “Modische Retrowelle oder Sehnsucht nach der analogen Welt?”

Bei Vintage Audio Berlin kann man historische Instrumente und Studiotechnik kaufen,
bekommt kenntnisreiche Beratung und trifft Musiker aus der ganzen Welt.

Muster, Motive…

23. Januar 2013 — Leave a comment

The final countdown
24.01.2013

Über Motive (im Sinne von Beweggründen) und Motive (im Sinne von Strukturen)

Hörbeispiele
Ornette Coleman: Latin Genetics (2 Versionen, All Languages)
Ornette Coleman: What reason could I give to live (Science FIction)
Underworld: Born Slippy
Material: Reduction
Chris Marclay.  Armstrong, Hendrix

Diskussion:
Mannheimer Rakete, Zizek über Gnagnam Style (YouTube)
5te von Beethoven, Bo Diddley Pattern (Dr. John)
Signature Sound

pfs aushang lehre ws1213

Das große Ganze

Mittwoch 16-18, Fachseminar
KHM Filzengraben 8-10, Raum 2.04

„Das Ganze ist das Unwahre.“
Adorno

Wer oder was heute Bedeutsamkeit beansprucht, tut dies in einem globalen Maßstab.
Künstlerische und wissenschaftliche Werke, Sport, Religion und Philosophie werden auf ihren Stellenwert für eine Weltöffentlichkeit geprüft und eingeordnet. Diese unterliegt einem erneuten Strukturwandel: Netze schaffen überraschende Erregungskurven, die Muster des Datenverkehrs taugen zur Vorhersage, Statistik überholt Programmatik.

Historische Weltprojekte von Esperanto bis zum Weltformat (Ostwald) werden vorgestellt und auf heutige Entwicklungen von Knowledge Grid (Zhuge) bis zu Cognitive Radio (Mitola) bezogen.

Ging es einst um Cyberspace (Gibson, Benedikt) und das Second Self (Turkle), geht es heute um das systemische Ganze und die hierin möglichen und unmöglichen Haltungen: beobachtend, strategisch, widerständig, ignorant, gestaltend…

 

Rhythm – A – Ning
Low End Theory Club #2

Donnerstag 14-17, Theorieseminar Hauptstudium
Filzengraben 8-10, KHM Raum 2.04

In seiner zweiten Ausgabe konzentriert sich der Low End Theory Club auf Rhythmen. Das sind Ereignisse in der Zeit und Zeit bildende Ereignisse.

Beobachtet werden Pulse und Zyklen, Metren und Takte, Raster und Skalen
in Naturvorgängen, Technik, Mathematik und Musik.
Akustische, optische und synästhetische Verhältnisse werden erkundet und
in Übungen experimentell realisiert. Traditionen und Systeme werden
vorgestellt und spekulativ erweitert: „The Myth-Science Approach“ (Sun Ra).

www.lowendtheoryclub.org